Brot und süße Leckereien locken seit 50 Jahren

Handwerk Bäckerei Remy feiert Jubiläum

WWZ 02 08 2017Siershahn. Wie viele Brote, Brötchen und süße Teilchen die Bäckerei Remy in Siershahn seit ihrer Gründung schon gebacken hat, lässt sich heute kaum noch schätzen. Fest steht aber, dass die Teigwaren aus dem Handwerksbetrieb schon zahlreichen Menschen ein schmackhaftes Frühstück bereitet haben. Seit 50 Jahren verkauft die Bäckerei und Konditorei Remy nun schon ihre Waren in der Friedenstraße, 25 Jahre davon steht Frank Remy als Inhaber in der Bäckerstube. Grund genug für den Familienbetrieb, das Doppeljubiläum gebührend zu feiern. Am Sonntag lädt die Bäckerei zu einem Sommerfest ein.

Ein bisschen kann sich Bäckermeister Frank Remy noch an die Eröffnung der Bäckerstube in der Friedenstraße erinnern. Es war der Januar 1967. Remy war damals acht Jahre alt, als der Betrieb von seinem Vater dort zum ersten Mal seine Pforten öffnete. Bis zu diesem Tag hatte Altmeister Hasso Remy noch eine kleine Bäckerstube an der Hauptstraße in Siershahn, in der bereits sieben Jahre zuvor Brot und Brötchen für die Bürger zubereitet wurden. „Damals musste man noch Kohle scheppen, um den Ofen anzuheizen“, weiß Remy noch. „Heute geht das natürlich alles per Knopfdruck. Es ist vieles leichter geworden, obwohl natürlich auch heute noch viel mit der Hand gearbeitet wird.“

Handarbeit, gute Qualität und traditionelle Rezepte – an dem Konzept des Unternehmens hat sich bis heute nicht viel geändert. Das trifft nicht nur bei den Kunden auf Zuspruch, auch die Handwerkskammer Koblenz und die Bäckerei-Innung Rhein-Westerwald sind von der Arbeit des 58-Jährigen und seinem Team überzeugt. 2013, 2015 und 2017 hat die Bäckerei Remy den Landesehrenpreis Rheinland-Pfalz für herausragende handwerkliche Brot- und Backwarenqualität verliehen bekommen. „So was nennt man Nachhaltigkeit“, sagt Remy stolz. „Man muss immer sehen, dass man dran bleibt.“ Auch bei der Brot- und Brötchenprüfung in Montabaur hat der Betrieb im Mai, wie schon im Jahr 2015, gute Ergebnisse erzielt. Von 28 Proben wurden 26 als sehr gut oder gut bewertet.

25 Brot- und 20 Brötchensorten werden ungefähr in dem Handwerksbetrieb zubereitet. Das ist nicht mit den frühen Anfängen zu vergleichen, erzählt Remy. Damals gab es vielleicht drei oder vier verschiedene Sorten. Heute wolle der Verbraucher aber mehr zur Auswahl haben. Viele der traditionellen Rezepte hat Remy von seinem Vater übernommen. Vor allem zur Weihnachtszeit werden Plätzchen und Stollen nach alten Anleitungen gebacken. Auch wird heute noch mit Natursauerteig gearbeitet.

Remy, der 1982 seinen Meistertitel bekommen hat, hat das Handwerk von seinem Vater gelernt. Schon als Kind hat er ihm über die Schulter geschaut. Auch wenn der Arbeitstag, der um 3 Uhr morgens beginnt, noch immer anstrengend ist, weiß Remy, dass die Arbeitszeiten früher noch länger waren. Zehn Stunden waren aufgrund der technisch begrenzten Möglichkeiten die Regel. Wenn er heute auf seinen Betrieb, seine Stammkundschaft und seine Erfolge blickt, weiß er: „Die ganze Arbeit hat sich gelohnt.“

Doch wie es in Zukunft mit dem Traditionsunternehmen weitergeht, ist ungewiss. Nachwuchs gibt es selten. Der letzte Auszubildende war vor vier Jahren da. Remys Kinder, 31 und 28 Jahre alt, haben sich beruflich außerhalb der Bäckerei orientiert. „Wenn ich mal hier aufhöre, hat sich das Thema vermutlich erledigt“, sagt Frank Remy. Noch denke er aber nicht daran, aufzuhören. Solange er gesund bleibe, werde er auch weiterhin Köstlichkeiten in der Bäckerstube in Siershahn zubereiten.

Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 2. August 2017